Fridolin

Fridolin ist das zweitälteste Mitglied unserer Reisegruppe. Er erzählt nicht sonderlich viel von seiner Vergangenheit, doch es scheint eine bewegte gewesen zu sein. Wie die, die mitfahren und die, die wir unterwegs treffen, hat auch er seine Narben und Grübchen davon getragen, die von den Wellen berichten, die er bereits geritten hat. Fridolin wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Wir begehen seinen runden Erstzulassungstag am 15. Mai 2021. So ganz genau wissen wir zwar nicht, wann er zum ersten Mal mit amtlichem Kennzeichen ausgestattet sein Licht auf den Asphalt geworfen hat, aber der 15. scheint uns ebenso gut zu sein, wie jeder andere Maitag. Völlig klar ist indes, dass unser treuer Begleiter im Sternzeichen Stier vom Band gerollt ist. Er ist ausdauernd, besonnen, naturverbunden und genügsam, aber manchmal eben auch bequem und eigenwillig. Ja, er hat so seine Macken, aber wer hat die nicht. Außerdem gibt es kaum etwas, das man bei ihm nicht mit Kreuzschlitzschraubendreher, Maulschlüssel und ein wenig Öl wieder ins Lot bringen könnte.

Wir haben Fridolin zu Beginn der ersten Pandemie-Welle im März 2020 aus dem Rhein-Lahn-Kreis nach Hamburg geholt. Es war bereits absehbar, dass Urlaub in der gewohnten Form für eine ganze Weile nicht mehr möglich sein würde. Diese Perspektive gab uns den letzten Schubs, den wir brauchten, um das Team Weltenbummler zu erweitern. Schon zu Schulzeiten wollte ich unbedingt einen T3 haben. Am Liebsten einen Bluestar, aber so viel Geld war mit Ferienjobs einfach nicht zu verdienen. Gereicht hat es damals für einen Ford Transit aus den späten 80ern mit 2-Liter-Ottomotor und Automatikgetriebe. Ein wundervolles Auto, das ich leider später verkaufen musste. Der Traum vom Bulli wollte mir jedoch einfach nicht aus dem Kopf gehen. Umso größer war die Freude, als uns Fridolin bei ebay über den Weg lief und wir uns spontan dazu entschieden, Nägel mit Köpfen und zukünftig Urlaub auf Rädern zu machen.

Im Vergleich zum Schul-und-Zivi-Zeit-Ford, der spektakuläre 114 PS auf die Straße brachte, gilt es in Sachen Vortrieb bei Frido (er hasst es, wenn wir ihn so nennen) Demut zu beweisen. In seinem Heck blubbert der erste wassergekühlte Dieselmotor, den VW verbaut hat. Seine 50 PS beschleunigen uns bergab und mit Rückenwind abzüglich Tachonadeltoleranz auf 90 Kilometer pro Stunde. Bei einer Reisegeschwindigkeit von maximal 80 km/h fühlen sich jedoch alle Beteiligten – vor allem Fridolin selbst – deutlich wohler.

Fridolin und Eva-Lotte in Spangereid, Norwegen

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